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Die Masken und ihre Schnitzer

Seit dem Kriegsende lebt der Ailinger Maskenschnitzer Josef Bergmüller in Bunkhofen. Er wurde 1919 in Bad Kohlgrub geboren und eignete sich während seiner fünfjährigen Ausbildung in Oberammergau auf der gewerblichen Fachhochschule für Holzbildhauerei ein fundiertes Können und Wissen an.
Obwohl die Narrenzunft schon 1969 gegründet wurde, besteht die Maske des "Gehrenmännle" bereits 19 Jahre länger, sie entstand schon 1950 und sollte der Sagengestalt des Gehrenmännle ein Gesicht geben.

Es galt, einer waldschratigen Fratze durch wurzel-knorrige Elemente eine konkrete Form zu geben. Das war nicht leicht, und es wurden viele Gedanken hierzu geäußert und viele Entwürfe gezeichnet, ehe der Meister und die damaligen Narren sich einigten. 

Vier Faktoren prägen das Erscheinungsbild einer Maske und bestimmen auch die Arbeitsgänge zu ihrer Herstellung mit:Material, Form, Oberfläche und Einbindung ins Kostüm.

Hat man sich auf Holz festgelegt, um eine Maske zu fertigen, kommen nochmals mehrere Kriterien wie leichte Verarbeitung, schnelles Trocknen, geringes Gewicht, problemlose Beschaffung und günstiger Holzpreis hinzu. Josef Bergmüller entschied sich für das Holz der Weymouthskiefer, obwohl diese Kiefernart bei uns nicht heimisch ist, weil ihr Gewicht bei den großen Massen der Maske merklich geringer ist als bei Lindenholz.

Um aus dem Holz eine Maske schnitzen zu können, braucht man einen Klotz in entsprechender Größe. Diesen kann man aus dem Stammholz oder einer Diele mit entsprechender Dicke herausschneiden. Notwendig ist nur das Entfernen des Marks, da sonst das Holz beim Trocknen reißt. Ein Holzrohling muß mindestens drei Jahre abgelagert sein. Man rechnet bei Harthölzern ein Jahr Lagerzeit pro Zentimeter Holzdicke. Gewiß, man kann das Holz in Trockenkammern trocknen. Josef Bergmüller liebt diese Art aber nicht, weil das Holz hierdurch härter und spröder wird.

Bei der Gehrenmännlemaske verwendet Josef Bergmüller die Methode, dass er mehrere Dielen beliebiger Dicke zusammenleimt, bis die erforderliche Dicke erreicht ist. Alle weitabstehenden Teile, wie Nase und Augenbrauen werden dann unter Umständen später separat angesetzt. Der große Vorteil ist hierbei, dass die Herstellung wirtschaftlicher wird und der Festigkeitswert sich bedeutend erhöht; wir kennen es bereits vom Sperrholz her. Festigkeit muß sein, denn bei winterlichen Temperaturen unter 0 Grad Celsius und einem erhitzten Maskenträger können Temperaturunterschiede ohne weiteres bei 50 Grad Celsius liegen, und diese enormen Spannungen muß die Maske aushalten können. Ist mit der Bandsäge der so verleimte Block in Umriß und Profil ausgesägt, beginnt die eigentliche Arbeit des Schnitzers: das Heraushauen der Form. Ohne ein scharfes Werkzeug kann er nicht arbeiten, sein dreipfündiger Klöpfel schafft es alleine nicht.

Damit die Maske auch aufs Gesicht des Maskenträgers passt, wird dessen Gesicht vermessen und danach diese Maße für die Maskenhöhlung abgenommen. Denn sie darf nicht zu groß sein und nicht zu klein, um beim Tragen nicht zu wackeln oder zu drücken. Ist die Maske vorne grob fertig, wird sie innen vollends herausgeschafft.

maskeundschnitzerJupp Bergmüller mit seiner Enkelin Mira
Foto: Angrit Döhmann

Dem Arbeitsgang gemäß braucht der Schnitzer immer feinere Werkzeuge. Josef Bergmüller benutzt oft 20 verschiedene Messer und Beitel. Eine Schwierigkeit der Arbeit ist, dass das Werkstück bei der Arbeit festgehalten werden muß, aber natürlich keinem zu starken Druck ausgesetzt werden darf. Die andere Schwierigkeit ist das Herausarbeiten der geringen Wanddicke. Hierbei hilft ein spezielles Meßgerät oder ein Ertasten der Dicke oder ein "Gegen-das-Licht-halten", wobei das Licht durch das harzige Holz hindurch scheint. Je tiefer die Maske ausgehöhlt werden muß, um so aufwändiger ist ihre Herstellung, aber desto besser sitzt die Maske dann auch auf dem Kopf, vor dem Gesicht.
Wirtschaftliche Notwendigkeit und Entlastung von der schweren körperlichen Arbeit veranlaßten Josef Bergmüller erstmals im Winter 1980/1981, ein Fräsmodell der Gehrenmännlemaske auszuarbeiten. Bis dahin hatte er jede einzelne Maske aus dem Vollen herausgehauen, so dass Frau Bergmüller kaum mit dem Zusammenfegen der Späne nachkam. Er hatte das Modell so entworfen, dass die Fräslinge weiterhin eine große individuelle Gestaltung der Maske zuließen.

So bleibt ihm genügend Spielraum für seine bildhauerische Arbeit und seine "Handschrift". Mal zieht sich z.B. die Nase nach links unters Kinn, mal verläuft sie sich teilend nach rechts, dann wieder ist die eine Augenbraue besonders betont und der Backenknochen stark hervorgehoben. Somit bleibt ihm die gestalterische Tätigkeit als Künstler, und die Maschine nimmt ihm lediglich die strapazierende Muskelarbeit ab. Die wichtigste Arbeit bleibt allein beim Künstler.

Auch die Gestaltung der Maskenoberfläche hat ihren Anteil am Gesamtcharakter der Maske. Sie kann poliert oder geraspelt, feinschnittig oder derb - wie bei der Gehrenmännlemaske - sein. Josef Bergmüller legt besonderen Wert auf durchlaufende, geschwungene Linien und ein einwandfreies Schnittbild auf der Oberfläche. Schleifpapier hat bei seiner Arbeit nichts verloren!

Aber fertig ist die Maske damit noch nicht. Sie wird noch von Hand farbig lasiert. Mit dieser Technik bekommt die Maske ihr typisches Farbkleid, sie läßt sowohl die Maserung des Holzes wie den schwungvollen Schnitt erkennen. Sie legt somit Zeugnis der persönlichen Arbeit des Meisters ab und die Maske lebt!
Zu Beginn der Farbgebung taucht Josef Bergmüller die Maske ganz ins Wasser, damit das Holz gezielt etwas Wasser aufnimmt und nicht beim Bemalen mit Plakafarbe das Farbpigment vom Pinsel weg an der Oberfläche auftrocknet. Ganz dezente Farbnuancen sind nötig. Nase und Augenlider rötlich, dazu etwas grünlicher Waldton, wobei erdfarbene Braunmischungen die Grundabstimmung bilden. Eine mehrmalige Grundierung mit einem Klarlack lassen die Maske widerstandsfähig gegen Witterung werden und lassen sie leicht von innen reinigen; denn Atem und Schweißkondensate könnten mit der Zeit Schaden anrichten.

Wird dann bei der Anprobe mit dem Maskenträger die Innenpolsterung und das Halteband richtig angebracht, so fehlt nur noch die Einbindung in das originelle Kostüm.
Leider überraschte ihn Ostern 1992 ein gesundheitlicher Schicksalsschlag, wodurch ihm eine Fortsetzung seiner vielseitigen Schnitzarbeiten nicht mehr möglich war. Josef (Jupp) Bergmüller verstarb am 08. Mai 1995.

Mira Bergmüller, Enkelin von Josef Bergmüller übernahm 1992 die von ihrem Großvater begonnene Tradition des Maskenschnitzens in Ailingen. "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm...!"

maskeundschnitzer1Schirmständer mit Motiv Waldhexe von Karl Nägele
Foto: Jochen Meschenmoser
Früh schon zeigte Mira ihre künstlerischen Neigungen. Im Graf-Zeppelin-Gymnasium fand sie einen Lehrer, der ihre Begabung erkannte und nach besten Kräften förderte. Kunsthandwerkliche Arbeiten mit Ton und Speckstein in Schule und Freizeit führten Mira direkt zur Holzschnitzerei. In der Bunkhofener Werkstatt ihres Großvaters schaute sie diesem oft über die Schulter und lernte so, viele Feinheiten bei der Arbeit. Nach erfolgreich abgelegtem Abitur begann sie eine Holzbildhauerlehre in Bad Kohlgrub, dem oberbayrischen Geburtsort ihres Großvaters, bei einem bodenständigen Meister.

Sie arbeitete unermüdlich, um möglichst vielseitig zu werden. Sie besuchte die Meisterschule für Holzbildhauerei in München. 1995 legte sie die Prüfung in diesem Handwerk ab.

Um ihr Geschick und ihre Begabung noch weiter zu fördern absolvierte sie an der Hochschule für bildende Künste in Dresden ihr Studium im Fachbereich Bildhauerei-Kunst.
Für die Narrenzunft Ailingen ist es ein Glücksfall, dass Mira das von ihrem Großvater begonnene Werk des Maskenschnitzens so ausgezeichnet fortsetzt.

Karl Nägele, ebenfalls ein Ailinger der sich sein Geschick und sein handwerkliches Können selbst oder durch Kurse an der VHS beigebracht hat, steht uns ebenfalls tatkräftig zur Seite. Er unterstützt uns, wenn wir einmal ein besonderes Geschenk für besondere Anlässe benötigen.

Autoren: Edeltraut Krapf & Susanne Braunger